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Kunst aus Sicht der Kreativschule

Nicht nur KUNSTVERMITTLUNG wird in der Kreativschule Lernwerkstatt Regenbogen GROSS geschrieben. Neben der intensiven Auseinandersetzung mit Werken von bekannten Kunstschaffenden setzen sich die Lehrerinnen und SchülerInnen der Kreativschule auch mit dem Background und der Geschichte der KünstlerInnen auseinander.

Auf den Spuren der Kiki Smith

Christine Heuer, Direktorin der Kreativschule, hat im September die Ausstellung der Künstlerin Kiki Smith im Wiener Belvedere besucht. Was sie gesehen hat, gefiel. Daher entschied sie sich spontan dazu gleich nach Schulbeginn einen Ausstellungsbesuch für die SchülerInnen zu organisieren.

Ein wesentlicher Motivator war nicht nur das Werk von Kiki Smith, sondern vielmehr auch ihr Lebensweg und die Synthese vom Leben und Werk der Künstlerin. Auch weil Kiki Smith mit ihrem Oeuvre eine feministische Position einnimmt und zugleich einen Weg vorgibt bzw. Lösungen für das eigene Leben anbietet. Kiki Smiths Beispiel soll den Kindern eine andere Sicht auf das allgemein gültige Gesellschafts- und Frauenbild ermöglichen. Kritisches Hinterfragen abseits des Mainstreams wird dadurch gelernt.  

Was macht eine/n KünsterIn eigentlich aus?

Der Besuch der Ausstellung wurde sorgfältig vorbereitet und recherchiert. Kiki Smiths Lebensweg mit Schwerpunkt auf ihre Kindheit wurde in intensiven Vorgesprächen mit den SchülerInnen der Kreativschule Lernwerkstatt Regenbogen vorgestellt und diskutiert. Fragen wie „Wie ist die Künstlerin aufgewachsen? Wer hat sie unterrichtet, inspiriert und unterstützt? Wie wird man KünstlerIn? Auf welche

„Schwierigkeiten“ stößt man dabei?“ wurden gemeinsam erörtert.

Die Beziehung von Leben und Kunst

Ein Thema war auch die Vielfalt der durchgängig natürlichen Materialien. Die Künstlerin arbeitet mit Leder, Porzellan, Keramik, Gips, Wachs. Der physische Veränderungsprozess kann im Akt des kreativen Schaffens am Material studiert werden.

In welchem Bezug stand die Künstlerin mit ihren Werken, woher kamen die Themen? Kiki Smiths Werke sind weitgehend körperbezogen. Es geht um Leben und Vergänglichkeit. Die Position als Frau in der Welt. Mythen, Märchen und die Beziehung zwischen Mensch, Tier und Natur sind Gegenstand künstlerischer Auseinandersetzung.

Es gibt viele prägende Passagen ihres Lebens, die in der Ausstellung mittels aufmerksamkeitserregenden Werken und Artefakten erzählt werden. Ein Schlüsselmoment war als Kiki Smith mit der Totenmaske ihrer Großmutter im Haus konfrontiert wurde. Vergänglichkeit, Leben und Tod sowie der Bezug zur Natur sind Bausteine im Leben und Werk von Kiki Smith – und spiegeln sich auch im Konzept und im Lernalltag der Kreativschule Lernwerkstatt Regenbogen wider.

Vom Augenblick zum Ausdruck

Die Ausstellung ist ein materialgewordener Auszug aus der Lebensgeschichte von Kiki Smith. Prägende Momentaufnahmen ihrer Kindheit werden durch raumfüllende, skulpturale Anordnungen lebensgroßer Figuren aus Naturmaterialien dargestellt. In einem der Räume liegen am Boden verstreut 30 überlebensgroße, plastische Darstellungen von toten Vögeln. Betritt man die Anordnung so kann das zunächst vielleicht Unbehagen wecken. Kennt man jedoch die Geschichte dahinter ändert sich das Bild. Es beschreibt eine Szene aus der Kindheit der Künstlerin. Sie wurde Zeuge dieses Augenblicks. Ein Schwarm von Vögeln flog durch eine Pestizidwolke.  In diesen materialisierten Momentaufnahmen vergangener Erlebnisse werden Zusammenhänge klar. 

Kiki Smith hat einen starken Bezug zur Natur. Und Natur nimmt auch in der Kreativschule Lernwerkstatt Regenbogen einen großen Stellenwert ein. 

Auseinandersetzung in 3 Phasen

Wenn sich die SchülerInnen der Kreativschule Lernwerkstatt Regenbogen einer/m KünsterIn widmen, dann geschieht das in drei Phasen:

–      Vorbereitung

–      Besuch der Ausstellung

–      Bildnerischer Teil 

Bereits der Raum und das Umfeld, in welchem die Ausstellung stattfindet wird Teil des Erlebnisses:  in diesem Fall war es der Garten des Belvederes und auch das Gebäude selbst. Die Kinder hatten Zeit den Raum selbst zu erleben und zu entdecken und bekamen die Aufgabe, sich ein interessantes Werk auszusuchen um später davon zu berichten, Position einzunehmen und sich künstlerisch mit einer eigenen Arbeit damit auseinanderzusetzen. Jedes Kind berichtete von den eigenen Erfahrungen. Für viele war die Figur des kauernden Mädchens sehr einprägsam und hat angeregt, sich intensiv und auf empfindsame Weise mit dem Werk zu beschäftigen. Es steht auch für die Verletzlichkeit von Kindern, für deren Rolle in der Gesellschaft und somit auch für die Verantwortung die wir als Erwachsene für ihr jetziges und künftiges Leben haben. 

 Im letzten – bildnerischen – Teil der künstlerischen Auseinandersetzung wurde dann nach der Ausstellung in der Schule am eigenen Werk gearbeitet. Verschiedenste Techniken, Formate und Papiere wie beispielsweise Silber- und Goldfolie wurden ausprobiert und damit experimentiert. Die Ergebnisse sind erstaunlich „erwachsen“ und dennoch vielfältig und farbenfroh.

Die Kinder präsentierten dann ihre Werke den Lehrerinnen und SchülerInnen in der Gruppe. Am monatlichen Elternabend wurden die Arbeiten sodann – wie immer –bewundert.