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Freud und Leid mit unserem neuen Haus
Kurz vor Weihnachten läutete das Telefon in meinem Büro, und Frau Vizebürgermeisterin Laska persönlich war am Apparat. Sie meinte, sie hätte unsere Unterlagen auf dem Schreibtisch gefunden, den sie soeben von ihrer Vorgängerin übernommen hatte. Sie wüßte ein geeignetes Schulgebäude für uns. Ich glaubte, meinen Ohren nicht zu trauen. Meine Freude war unbeschreiblich. Doch die Ernüchterung kam sofort: das Gebäude befindet sich im 23. Bezirk, war die nächste Meldung.
Was das für eine Aufregung bei den Eltern/Müttern hervorrief, ist gut vorstellbar. Einerseits stellte sich das Problem, daß wir kein passendes Quartier hatten und auf Hilfe angewiesen waren, andererseits schien es kaum möglich, Kinder im Volksschulalter mit öffentlichen Verkehrsmitteln quer durch Wien zu schicken.
Nach einem Besichtigungstermin, bei dem ich freundlicherweise gleich den Schlüssel für das Gebäude bekommen hatte, und dem eingehenden Studium der Verkehrsverbindungen bezogen wir kurz entschlossen in den Semesterferien unsere neue Schule in der Dirmhirngasse.
Was mich selbst heute noch erstaunt ist die Tatsache, daß nur unser damaliger Obmann unsere Gruppe verlassen hatte und sein Kind wieder in die öffentliche Schule schickte. Alle anderen Eltern waren geblieben, trotz der vielen Probleme und Auseinandersetzungen. Eine wichtige Rolle bei diesem Zusammenhalt hatten natürlich die Kinder gespielt, die sich weigerten, eine andere Schule zu besuchen. Die größeren Kinder hatten entschieden, über eine Stunde lang von Gerasdorf und Gänserndorf mit der Schnellbahn in ihre Lernwerkstatt zu fahren. Auf unserer Wanderschaft hatten sich sogar noch zwei Kinder mit ihren Müttern dazugesellt.
Unser gemütlicher Backsteinbau war wirklich ein Juwel mit allen Vorzügen, die man sich nur vorstellen kann: richtige Klos, sogar für Buben, Mädchen und Lehrerinnen getrennt, große Räume, rundum Grünfläche. Leider war die Stadt Wien nicht so begeistert von dem Gebäude wie wir: es war zum Abbruch bestimmt und stand nur noch, weil es als Ausweichquartier für einen öffentlichen Kindergarten dienen sollte, der renoviert wurde. Und als Ausweichquartier für uns natürlich für eineinhalb Jahre maximal.
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