Campingklo und viele Spinnen

Anfang August war noch immer kein geeignetes Haus in Sicht. Die Kindergruppe hatte als Zwischenlösung eine Wohnung im 13. Stockwerk eines Wohnhauses gemietet und war dort sehr unglücklich. Wir hofften noch immer, gemeinsam ein geeignetes Objekt zu finden. Gegen Ende August mietete der damalige Obmann unseres Vereins ein 25 Quadratmeter kleines Gartenhäuschen in Hirschstetten, daß zwar sehr idyllisch in einem verwilderten Garten lag, aber einige gravierende Nachteile hatte: Es lag am Ende der Welt, war also schwer zu erreichen, hatte keine Toilette und kein Warmwasser, war schlecht geheizt und in drei Zimmer unterteilt – es gab also keinen Raum, wo alle SchülerInnen gleichzeitig Platz hatten. Unsere Lernwerkstatt – korrekterweise müßte man "organisierter häuslicher Unterricht" sagen – bestand damals aus zwölf Kindern.

Trotz allem begann der Unterricht pünktlich Anfang September, wie der aller anderer Schulen auch. Ich erstand ein Campingklo, klemmte es unter den Arm, brachte es mit U-Bahn und Bus nach Hirschstetten und stellte es in der Scheune auf. Die vielen Spinnen in der Scheune regten zu einem tollen Spinnenprojekt und einem vernetzten Garten an.

An den Wochenenden rodeten Eltern-/Müttertrupps den Garten, rissen eine Wand im Haus nieder, verlegten einen neuen Boden, räumten Unmengen von Schutt und Gerümpel weg. Es war genug zu tun.

Auch hatten wir alle zwei Wochen Elternabende. Dabei ging es stets recht turbulent zu. Es gab finanzielle Probleme, Probleme mit der Arbeitsaufteilung und Unstimmigkeiten über unser "Haus". Einige Eltern wollten bleiben und das Gartenhäuschen ausbauen, die anderen wollten eine neue Bleibe suchen. Mit all den Unstimmigkeiten und der vielen Arbeit zweifelte ich natürlich manchmal, ob dieser Schulwechsel richtig gewesen war. Aber dann sah ich mein Kind von der Schule nach Hause kommen, mit roten Backen und leuchtenden Augen, und ich wusßte, daß die Entscheidung gut war.

Einige Wochen vergingen, und vielen Ideen wurden an den Elternabenden geboren, die mir alle ziemlich unrealistisch vorkamen. Eine davon war z.B. der Versuch, ein geschenktes Gartenhäuschen, das im "Bazar" (= österreichische Annoncenzeitung) gefunden wurde, abzubauen und im Schulgarten wieder aufzustellen. Diese Idee scheiterte schon an der Tatsache, daß das Holz des geschenkten Häuschens so morsch war, daß es zerbrach, sobald man nur ankam.