Verzweifelte Suche nach einer Alternative

Zuerst wandte ich mich an die Montessori-Klassen der öffentlichen Schulen. Doch ich hatte das Gefühl, daß Leonie vom Regen in die Traufe kommen würde. Dann sah ich mich in den Steinerschulen um. Aber die Steiner’sche Ideologie sagte mir nicht zu. Hinzu kam, daß Leonie nicht wechseln wollte. Sie meinte, daß sie zwar unglücklich war, aber daß sie zumindest wußte, woran sie war, und daß sie ihre Freundinnen in der Klasse hatte.

Durch Zufall erfuhr ich von dem Montessori-Verein. Dort bekam ich die Nummer der Lernwerkstatt Regenbogen, die sich damals im 22. Bezirk befand, in der Nähe meiner Arbeitsstelle. Ab da ging alles sehr schnell. Ich schaute mir die Lernwerkstatt an und war begeistert. Zwei Tage später durfte meine Tochter einen Schnuppervormittag in Kagran verbringen. Sie war ebenfalls begeistert und hatte plötzlich nichts mehr gegen einen Schulwechsel. Nach einer schlaflosen Nacht, in der ich grübelte, ob ich auch wirklich keinen Fehler machte, wanderte ich zur Direktorin der "alten" Schule und meldete mein Kind ab. Es war bereits ein paar Tage vor Schulschluß, also war mein nächster Weg zum Bezirksschulinspektor, bei dem ich meine Tochter zum Häuslichen Unterricht anmeldete.

Am letzten Schultag brachte ich der Lehrerin meiner Tochter einen Blumenstrauß und teilte ihr mir, daß Leonie nach den Ferien nicht mehr kommen würde. Sehr zu meiner Bestürzung brach sie in Tränen aus. Wir waren umringt von Kindern, die der Lehrerin ihre Geschenke geben, und von Eltern, die sich bedanken wollten. Die Kinder begannen "Leonie, bleib da" zu rufen, als sie hörten, was los war. Für mich war die Situation ein Alptraum. Am liebsten hätte ich mir die Ohren zugehalten und wäre davongelaufen. Meine Tochter aber stand strahlend da und meinte sehr überzeugt: "Ich gehe in eine viel schönere Schule."

Die Tatsache, daß die Lernwerkstatt Regenbogen ohne Schulhaus dastand, beunruhigte mich eigentlich nicht. Das ursprüngliche Haus war zusammen mit einer Kindergruppe für vier Jahre gemietet worden. Der Mietvertrag lief aus, der Hausherr wollte das Haus verkaufen und nicht weitervermieten. Da der Kaufpreis bei weitem unsere Mittel überstieg, blieb nur ein Umzug übrig.

Wir wollten mit der Kindergruppe zusammen bleiben, aber es stellte sich heraus, daß es gar nicht so einfach war, ein Haus zu finden, das Platz genug bot für ca. 30 Kinder, und dessen Miete erschwinglich war.